Walter Dick - Leben und Schaffen

Wenn in Ergänzung zum Walter Dick Archiv hier eine bebilderte Vita des Kölner Fotografen vorgestellt wird, so kann dies kein lückenloser Lebenslauf  sein, denn dazu sind die vorliegenden biographischen Informationen zu dünn. Walter Dick ist heute (2017) über 40 Jahre tot und es wird nicht mehr viele Menschen geben, die ihn einerseits persönlich kannten und zum Zweiten noch Einzelheiten, Jahreszahlen und Begebenheiten aus seinem Leben kennen, die für einen vollständigen Lebenslauf wichtig wären.

Walter Dick hatte keine Kinder, sein (einziger) Bruder hatte einen Sohn, ansonsten sind keine weiteren familiären Verbindungen bekannt. Hier soll versucht werden, die Bilder aus dem Nachlass, die Walter Dick selbst und seine Familie oder sein Umfeld zeigen, in eine annähernd chronologische Reihenfolge zu bringen und jeweils da, wo Fakten seines Lebens bekannt sind, mit diesen zu verbinden. Vorausschicken wollen wir eine Bitte: wenn Menschen Walter Dick noch persönlich gekannt haben oder etwas Gesichertes aus seinem Leben wissen, so sollten sie sich mit diesen Informationen an uns wenden. Wir können mit derartigen Fakten die Vita von Walter Dick ergänzen. 

Kindheit und Jugend

Walter Dick wurde kurz vor dem ersten Weltkrieg am 20.Juni 1914 in Köln geboren. Sein Vater war Finanzbeamter. Er fiel im ersten Weltkrieg als Soldat und so musste die Mutter ihre beiden Söhne alleine erziehen. Walter Dick besuchte die Volksschule und trat nach deren Ende in den Verlag DuMont Schauberg in Köln ein.  Er hat sich dort  als Autodidakt die Kenntnisse für seine spätere Arbeit als Fotograf erworben. Mit nur 19 Jahren trat er in den Bilderdienst der Kölnischen Zeitung ein, wo wer bis 1935 verblieb.

Im Jahre 1935 begann seine Tätigkeit in Berlin, wo er 1936 bei den Olympischen Spielen als Fotograf arbeitete und bis 1938 beim Berliner Bilderdienst. Ab 1939 arbeitete er als freier Fotojournalist. In  dieser Zeit ist ein Bildband über Libyen (damals italienische Kolonie) entstanden, den die italienische Regierung in Auftrag gegeben hatte. 

Der 2. Weltkrieg

Ab 1939 war  Walter Dick Soldat zunächst in Nordafrika und zum Ende des Krieges im früheren Jugoslawien. Ob er im Krieg als offizieller Frontberichterstatter arbeitete oder welche Funktionen er ausübte bzw. an  welchen Orten/Fronten er eingesetzt war ist nicht bekannt. Zahlreiche Fotos aus der Kriegszeit, dokumentieren jedoch, dass Walter Dick auch während der Jahre des Krieges fotografisch tätig war.

Während des Krieges hat Walter Dick geheiratet. Am 16. September 1944 heiratete er in Belgrad Annaliese Zahl, die als sog. Wehrmachtshelferin arbeitete. Die Hochzeit fand in einem Standesamt in Belgrad statt. Die jugoslawische Hauptstadt war 1941 von deutschen Truppen besetzt worden und wurde im Oktober 1944, also kurz nach der Hochzeit von Walter und Annliese Zahl von den jugoslawischen Partisanen unter Marschall Tito und russischen Truppen befreit.

Weitere Informationen, an welchen Fronten er im Krieg war und welche Tätigkeiten in der Wehrmacht er zwischen 1939 und 1945 ausführte, liegen nicht vor. Der Krieg war für Walter Dick mit seiner Entlassung aus englischer Kriegsgefangenschaft zu Ende. 

Der Neuanfang in Köln ab Ende 1945

Im September 1945 begann Walter Dick seine Arbeit in Köln. Schwerpunkt seiner Arbeit war zunächst, teilweise als freier Fotograf, teilweise im Auftrag der Stadtverwaltung, die Dokumentation der Kriegszerstörungen in Köln und im Umland. Gleichzeitig schuf Walter Dick eindrucksvolle Aufnahmen, die die Not der Menschen, vor Allem der Kinder in der zerstörten, geschundenen Stadt zeigten.

Mit der Etablierung von Zeitungen und Illustrierten begann seine Arbeit für die verschiedenen Presseorgane. Walter Dick sah sich dabei nicht allein als Fotograf, sondern, so auch die Berufsbezeichnungen auf seinen Stempeln, Negativtaschen und Briefköpfen, als  Bildjournalist. Walter Dick engagierte sich auch in seiner berufständischen Organisation, dem Deutschen Journalisten Verband, den er wohl mitbegründete.

Der Kölner Karneval

Mit der Wiederbelebung des Karnevals ab 1948/49 war Walter Dick dabei. Die ersten Umzüge der Roten Funken und die ersten Rosenmontag- und Veedelszöch hat er in zahlreichen Bildern festgehalten. Nahezu lückenlos liegen Bilder der Dreigestirne, der Prinzenproklamationen, der Wagenübergaben und der Vorstellungen bim Oberbürgermeister aus der Zeit von 1950 bis Anfang der 60er Jahre vor. 

Aber die Prinzenproklamation, Sitzungen, Bälle und Empfänge bedeuteten auch Arbeit. Walter Dick wurde dabei von Kollegen oder auch von Mitarbeitern, die zeitweise bei ihm arbeiteten fotografiert.

Wohnen und Arbeiten

Die Wohn- und Arbeitsbedingungen in der Nachkriegszeit waren angesichts von Zehntausenden zerstörter Wohnhäuser sehr schwierig. Die erste Wohnung, die Walter Dick und sein Frau Anneliese bezogen, war eine kleine enge Dachgeschosswohnung, in der er sich auch ein Labor einrichtete.

Sportfotografie

Walter Dick gehörte auch als Sportfotograf zu den Spitzenkönnern seines Berufes. Dabei muss man bedenken, dass es zu seiner Zeit darauf ankam, dass der Fotograf die Situation schon möglichst früh erfasste, um im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken. Er hatte ja immer nur eine Chance ein gutes Bild zu bekommen, den anders als heute in Zeiten der digitalen Fotografie konnte er keine schnellen Serien schießen, aus denen  dann das Beste ausgesucht wird. Walter Dick hatte so ein „Näschen“ für die Entwicklung einer Situation und so entstanden unzählige tolle Sportfotos.

Fußball Weltmeisterschaft 1962 in Chile

Nach zwei Weltmeisterschaften in Europa, 1954 in der Schweiz, 1958 in Schweden, sollte die nächste WM wieder in Südamerika stattfinden. Chile setzte sich bei der Vergabe gegen Argentinien durch und im chilenischen Spätherbst im Juni 1962 wurde die siebte Fußballweltmeisterschaft durchgeführt.

Damals gab es noch keine weltweiten Fernsehübertragungen, keine Fernsehsatelliten. Live-Rundfunkübertragungen waren nur mit Kurzwelle bei schlechter Qualität möglich, Interviews und Kommentare mussten per Telefon übertragen werden. Daher war die Übermittlung von Fotos per Bildtelegraphie die einzige Möglichkeit, zumindest Fotos recht aktuell zu übertragen.

Walter Dick, dessen besondere Liebe dem Fußball galt, hat bei dieser WM wie auch bei den Championaten 1954 und 1958 gearbeitet. Neben zahlreichen Fotos der verschiedenen Spiele hat er auch im Quartier der deutschen Mannschaft die Spieler getroffen. Dabei entstand auch eine Reihe von Bildern, die ihn selbst  zeigen.